Lexikon Vignettierung

Vignettierung

Die Abdunklung des Bildes zu den Rändern und Ecken hin – mal unerwünschter Abbildungsfehler des Objektivs, mal bewusst eingesetztes Stilmittel, um den Blick zur Bildmitte zu lenken.

Gleichmäßiger Himmel mit Kondensstreifen, bei dem die Bildecken sichtbar abgedunkelt sind

Was ist Vignettierung?

Als Vignettierung (oder kurz „Vignette“) bezeichnet man eine Abdunklung des Bildes zu den Rändern und besonders zu den vier Ecken hin. Die Bildmitte bleibt hell, während es nach außen dunkler wird.

Am besten sieht man den Effekt in großen, gleichmäßigen Flächen – wie dem Himmel im Foto oben: Die Ecken sind deutlich dunkler als das Zentrum. Das Besondere an der Vignettierung: Sie kann ein störender Fehler sein oder ein gewolltes Gestaltungsmittel. Es kommt ganz auf den Zusammenhang an.

Vignettierung als Abbildungsfehler

Als optischer Fehler entsteht die Vignette im Objektiv selbst. Man unterscheidet grob zwei Ursachen:

Optische (natürliche) Vignettierung

Sie tritt vor allem bei weit geöffneter Blende und an lichtstarken Weitwinkel-Objektiven auf. Vereinfacht gesagt erreicht das Licht die Bildränder unter einem ungünstigeren Winkel als die Bildmitte, weshalb dort etwas weniger Licht ankommt. Der Effekt ist bei Offenblende am stärksten und nimmt ab, wenn du das Objektiv ein bis zwei Stufen abblendest.

Mechanische Vignettierung

Hier ragt tatsächlich etwas ins Bild: zu dick gebaute oder mehrere gestapelte Filter, eine falsche oder zu große Gegenlichtblende. Die Folge sind meist harte, kräftig abgedunkelte Ecken. Diese Art lässt sich nicht wegrechnen – du musst die Ursache (den Filter oder die Streulichtblende) entfernen.

Vignettierung als Stilmittel

In der Bildbearbeitung wird eine Vignette oft ganz bewusst hinzugefügt. Eine sanfte Abdunklung der Ränder wirkt wie ein dezenter Rahmen: Sie lenkt das Auge des Betrachters weg von den Rändern und hin zum Hauptmotiv in der Mitte.

Besonders bei Porträts und in der Produktfotografie ist das ein beliebter Kniff, um das Motiv stärker zu betonen und dem Bild eine etwas ruhigere, hochwertigere Anmutung zu geben. Wichtig ist Zurückhaltung – eine zu kräftige Vignette fällt schnell unangenehm auf.

Vignettierung korrigieren oder hinzufügen

In Programmen wie Lightroom, Capture One oder Camera Raw hast du beide Richtungen in der Hand:

  • Entfernen: Für die meisten Objektive gibt es hinterlegte Objektivprofile, die die optische Vignettierung automatisch und sehr sauber herausrechnen – dasselbe Profil korrigiert meist auch die chromatische Aberration. Wer im RAW-Format fotografiert, hat dabei den größten Spielraum.
  • Hinzufügen: Über einen eigenen Regler lässt sich eine gestalterische Vignette in Stärke und Weichheit fein dosieren.

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