Lexikon Tiefenschärfe

Tiefenschärfe (Schärfentiefe)

Der Bereich im Bild, der von vorne nach hinten scharf abgebildet wird. Ob nur ein hauchdünner Streifen oder fast alles scharf ist, steuerst du gezielt – und formst damit die Bildwirkung.

Ausgestreckte Arme scharf im Fokus vor einer weich verschwommenen Wand

Was ist Tiefenschärfe?

Die Tiefenschärfe beschreibt, wie groß der Bereich vor und hinter deinem Fokuspunkt ist, der noch scharf abgebildet wird. Stellst du auf ein Motiv scharf, ist nicht nur exakt diese eine Ebene scharf, sondern eine gewisse „Zone“ davor und dahinter. Wie tief diese Zone reicht, ist die Tiefenschärfe.

Im Foto oben siehst du das gut: Die ausgestreckten Arme liegen in der Schärfeebene und sind knackscharf, während die Wand mit Bild und Wandleuchte dahinter weich verschwimmt. Genau das ist eine geringe Tiefenschärfe.

Kurz zum Begriff: Umgangssprachlich werden „Tiefenschärfe“ und „Schärfentiefe“ gleichbedeutend verwendet. Fachlich sauberer ist zwar „Schärfentiefe“, aber „Tiefenschärfe“ hat sich im Alltag durchgesetzt – gemeint ist dasselbe.

Geringe vs. große Tiefenschärfe

Geringe Tiefenschärfe (schmaler Schärfebereich)

Nur ein schmaler Bereich ist scharf, davor und dahinter verschwimmt alles in weicher Unschärfe. Diesen Look nutzt man zum Freistellen: Das Hauptmotiv löst sich klar vom Hintergrund und rückt in den Mittelpunkt. Typisch für Porträts, Produktbilder und überall dort, wo ein schönes Bokeh gefragt ist.

Große Tiefenschärfe (tiefer Schärfebereich)

Fast alles ist von vorne bis hinten scharf. Das braucht man, wenn möglichst viele Ebenen Details zeigen sollen – klassisch in der Landschafts- und Architekturfotografie, wo der Stein im Vordergrund genauso scharf sein soll wie die Berge am Horizont.

Die drei Faktoren, die die Tiefenschärfe steuern

Wie tief oder flach der Schärfebereich ausfällt, bestimmst du über drei Stellschrauben, die zusammenspielen:

1. Die Blende (der wichtigste Hebel)

Die Blende hat den größten Einfluss. Eine weit geöffnete Blende (kleine Zahl wie f/1.8) erzeugt eine geringe Tiefenschärfe. Eine geschlossene Blende (große Zahl wie f/11 oder f/16) sorgt für eine große Tiefenschärfe.

2. Die Brennweite

Je länger die Brennweite, desto geringer wirkt die Tiefenschärfe. Ein Teleobjektiv (z. B. 135 mm) stellt den Hintergrund viel stärker frei als ein Weitwinkel, der tendenziell mehr Schärfe von vorne bis hinten zeigt.

3. Der Abstand zum Motiv

Je näher du an dein Motiv herangehst, desto geringer wird die Tiefenschärfe. Deshalb ist sie in der Makrofotografie oft nur Millimeter dünn. Gehst du weiter weg, wächst der scharfe Bereich.

Ein vierter Faktor kommt hinzu: die Sensorgröße. Eine Vollformatkamera erzeugt bei gleichem Bildwinkel eine geringere Tiefenschärfe als eine Kamera mit kleinerem Sensor – ein Grund, warum sich Vollformat für starke Freistellung so beliebt macht.

So bekommst du maximale Freistellung

Willst du einen besonders unscharfen, cremigen Hintergrund, kombinierst du die Faktoren einfach:

  • eine möglichst offene Blende (z. B. f/1.8 einer Festbrennweite),
  • eine längere Brennweite,
  • einen geringen Abstand zum Motiv,
  • und möglichst viel Abstand zwischen Motiv und Hintergrund.

Umgekehrt gilt für durchgehende Schärfe in der Landschaft: kleine Blende, kürzere Brennweite und größerer Abstand.

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