Was ist der Crop-Faktor?
Der Crop-Faktor (auf Deutsch oft Formatfaktor oder Brennweiten-Verrechnungsfaktor genannt) beschreibt das Verhältnis zwischen der Größe des Kamerasensors deiner Kamera und dem traditionellen analogen Kleinbildformat (heute in der Digitalfotografie als Vollformat bezeichnet).
Das englische Wort to crop bedeutet übersetzt „beschneiden“ oder „kappen“. Der Crop-Faktor gibt dir also an, wie stark der Bildausschnitt eines Objektivs an einem kleineren Sensor beschnitten wird.
Das Prinzip einfach erklärt: der Scherenschnitt-Vergleich
Stell dir vor, ein Objektiv projiziert ein rundes Bild ins Innere der Kamera. Hast du eine Vollformatkamera, ist der Sensor groß genug, um fast das gesamte Bild einzufangen. Setzt du das exakt gleiche Objektiv nun auf eine Kamera mit einem kleineren Sensor, schneidet dieser einfach nur das Zentrum des Bildes aus. Das fertige Foto wirkt dadurch so, als hättest du herangezoomt – die Brennweite hat sich physikalisch nicht verändert, aber der Bildausschnitt ist enger geworden.
Die verschiedenen Sensorgrößen und ihre Crop-Faktoren
Um die scheinbare Brennweite deines Objektivs an einer Kamera zu berechnen, multiplizierst du einfach die Millimeter-Angabe auf dem Objektiv mit dem Crop-Faktor des jeweiligen Sensors. Hier sind die wichtigsten Sensorformate im Überblick:
Vollformat (Crop-Faktor 1,0)
Das historische Referenzmaß (36 × 24 mm), das auf dem klassischen 35-mm-Kleinbildfilm basiert. Da dies die Basis für die Brennweiten-Angaben auf allen Objektiven ist, gibt es hier keinen Crop-Faktor. Ein 50-mm-Objektiv zeigt dir am Vollformat auch exakt den echten Bildausschnitt von 50 mm.
APS-C (Crop-Faktor 1,5 bis 1,6)
Das gängigste Format für viele ambitionierte Hobbyfotografen und professionelle Reportagekameras (z. B. von Fujifilm, die Sony-Alpha-6000er-Reihe oder Canon EOS R7). Bei Sony, Nikon und Fuji liegt der Faktor bei 1,5, bei Canon bei 1,6. Auswirkung: Ein 50-mm-Objektiv verhält sich an APS-C wie ein 75-mm- bzw. 80-mm-Objektiv. Aus einem normalen Standardobjektiv wird durch den engeren Ausschnitt also automatisch ein tolles Porträtobjektiv.
Mittelformat (Crop-Faktor ca. 0,79)
Jetzt drehen wir den Spieß um! Das digitale Mittelformat besitzt einen Sensor, der deutlich größer ist als das Vollformat (genutzt von High-End-Marken wie Fujifilm GFX oder Hasselblad). Auswirkung: Da der Sensor so riesig ist, fängt er viel mehr von der Umgebung ein – der Bildausschnitt wird also weiter. Ein 50-mm-Objektiv am Mittelformat wirkt daher wie ein weitwinkligeres 39,5-mm-Objektiv am Vollformat (50 mm × 0,79). Mittelformat- Bilder haben dadurch einen ganz eigenen, plastischen Look.
Micro Four Thirds / MFT (Crop-Faktor 2,0)
Ein sehr kompaktes System, das gemeinschaftlich von Herstellern wie OM System (ehemals Olympus) und Panasonic genutzt wird. Die Sensoren sind exakt halb so groß wie ein Vollformatsensor. Auswirkung: Die Rechnung ist kinderleicht – ein normales 50-mm-Objektiv wirkt an einer MFT-Kamera wie ein 100-mm-Teleobjektiv (50 mm × 2,0). Das macht das System genial für Sport- und Wildlife-Fotografen, da man mit verhältnismäßig kleinen und leichten Objektiven extrem nah ans Motiv herankommt.
1-Zoll-Sensor (Crop-Faktor 2,7)
Diese Sensoren findet man häufig in Premium-Kompaktkameras (wie der Sony-RX100- Serie) oder sehr kleinen, leichten Kameras für die Hosentasche. Auswirkung: Ein 50-mm-Objektiv wirkt hier bereits wie ein starkes 135-mm-Teleobjektiv (50 mm × 2,7), da der Sensor nur einen sehr kleinen Teil aus der Mitte des Bildkreises herausschneidet.
Brennweiten-Umrechnung im Überblick
So wirkt dasselbe Objektiv (Kleinbild-äquivalent) an den jeweiligen Sensoren:
| Kamerasystem (Sensor) | Crop-Faktor | 18 mm | 24 mm | 35 mm | 50 mm | 85 mm |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Mittelformat (z. B. Fuji GFX) | 0,79× | ~ 14 mm | ~ 19 mm | ~ 28 mm | ~ 39,5 mm | ~ 67 mm |
| Vollformat (Referenzmaß) | 1,0× | 18 mm | 24 mm | 35 mm | 50 mm | 85 mm |
| APS-C (Sony, Nikon, Fuji) | 1,5× | 27 mm | 36 mm | 52,5 mm | 75 mm | 127,5 mm |
| APS-C (Canon) | 1,6× | 28,8 mm | 38,4 mm | 56 mm | 80 mm | 136 mm |
| Micro Four Thirds (MFT) | 2,0× | 36 mm | 48 mm | 70 mm | 100 mm | 170 mm |
| 1-Zoll-Sensor (z. B. Sony RX100) | 2,7× | 48,6 mm | 64,8 mm | 94,5 mm | 135 mm | 229,5 mm |
Warum ist der Crop-Faktor für dich wichtig?
Wenn du dir ein neues Objektiv kaufst, musst du immer wissen, welchen Sensor deine Kamera hat. Möchtest du als Hochzeitsfotograf den typischen, leicht weitwinkligen Reportage-Look eines 35-mm-Objektivs haben, darfst du an einer APS-C-Kamera kein 35-mm-Objektiv kaufen (das würde dort wie ~50 mm wirken). Du müsstest stattdessen zu einem 23-mm-Objektiv greifen (23 mm × 1,5 = 34,5 mm), um den gewünschten Bildlook zu erzielen.