Was ist die Chromatische Aberration?
Die Chromatische Aberration (oft auch als Farbquerfehler oder Farbsaum bezeichnet) ist ein typischer optischer Abbildungsfehler von Kameraobjektiven. Er macht sich auf Fotos durch unschöne, meistens lila, grüne oder blaue Farbränder an harten Kontrastkanten bemerkbar – zum Beispiel, wenn du dunkle Baumäste gegen einen strahlend hellen Himmel fotografierst.
Das Wort leitet sich aus dem Griechischen (Chroma = Farbe) und dem Lateinischen (aberrare = abweichen) ab. Es bedeutet also schlicht und ergreifend „Farbabweichung“.
Wie entsteht dieser Farbfehler? (Das Regenbogen-Prinzip)
Um zu verstehen, warum diese Farbsäume entstehen, müssen wir kurz an den Physikunterricht und ein Prisma denken: Weißes Licht besteht aus verschiedenen Farben (Wellenlängen) – von Rot über Grün bis Blau.
Wenn Licht durch die Glaslinsen deines Objektivs wandert, wird es gebrochen. Das Problem: Jede Lichtfarbe wird vom Glas unterschiedlich stark gebrochen – blaues Licht wird stärker abgelenkt als rotes. Bei einem perfekten Objektiv sollten sich alle Farbstrahlen exakt in einem einzigen Punkt auf dem Kamerasensor treffen. Bei realen Objektiven gelingt das aber nicht immer zu 100 %. Die Farben treffen sich minimal versetzt, und an den Kanten im Bild entstehen die typischen bunten Ränder.
Wo und wann tritt Chromatische Aberration besonders häufig auf?
Du wirst diesen Fehler nicht auf jedem Foto sehen. Er entsteht vor allem durch zwei Faktoren:
- Extreme Kontraste: weiße Kleidung vor dunklem Hintergrund, glitzerndes Wasser in der Sonne, Metallteile, Schmuck (wie Eheringe) oder eben Silhouetten gegen den Himmel.
- Fotografieren mit Offenblende: Wenn du ein lichtstarkes Objektiv bei maximaler Blendenöffnung (z. B. f/1.4 oder f/1.8) nutzt, ist das Risiko für Farbsäume am höchsten.
Wie kann man Chromatische Aberrationen verhindern oder entfernen?
Obwohl es sich um einen physikalischen Fehler des Objektivs handelt, lässt er sich heute extrem leicht in den Griff bekommen. Hier sind die drei besten Methoden:
1. Der Klick in der Bildbearbeitung (der einfachste Weg)
Wenn du im RAW-Format fotografierst, ist das Problem mit nur einem einzigen Klick Geschichte. Moderne Bildbearbeitungsprogramme wie Adobe Lightroom oder Capture One kennen die Fehlerprofile fast aller Objektive. Setze einfach ein Häkchen bei „Chromatische Aberration entfernen“ – die Software erkennt die lila und grünen Kanten automatisch und rechnet sie komplett heraus. Dieselben Objektivprofile beheben übrigens auch die Vignettierung – einen weiteren typischen Abbildungsfehler von Objektiven.
2. Etwas abblenden
Wenn du merkst, dass ein Objektiv extrem starke Farbsäume erzeugt, schließe die Blende um ein oder zwei Stufen (z. B. von f/1.4 auf f/2.2 oder f/2.8). Dadurch wird das Licht kontrollierter durch die Linse geleitet und der Fehler minimiert sich drastisch.
3. Hochwertige Objektive nutzen
Objektivhersteller verbauen spezielle, sehr teure Glassorten (sogenannte ED- oder Fluorid-Linsen), die die unterschiedlichen Lichtfarben fast perfekt korrigieren. Solche Objektive tragen oft Bezeichnungen wie „Apo“ (apochromatisch korrigiert). Sie sind zwar teurer, minimieren den Fehler aber schon direkt bei der Aufnahme auf ein absolutes Minimum.