Was ist die Blende in der Fotografie?
Die Blende ist ein kreisförmiger Mechanismus im Inneren des Objektivs, der aus mehreren beweglichen Lamellen besteht. Du kannst dir die Blende wie die Iris des menschlichen Auges vorstellen: Wenn es dunkel ist, weitet sich unsere Pupille, um so viel Licht wie möglich einzufangen. Scheint uns die Sonne ins Gesicht, zieht sich die Pupille ganz klein zusammen.
Genau das macht die Blende in der Kamera. Sie reguliert, wie viel Licht durch das Objektiv auf den Kamerasensor trifft, und steuert gleichzeitig, wie scharf oder unscharf der Hintergrund deines Bildes wird – also den Fokusbereich.
Große Blende, kleine Zahl!
Wenn du dich mit der Blende beschäftigst, liest man oft Zahlen wie f/1.4, f/4 oder f/16. Als Laie könnte man denken: je höher die Zahl, desto lichtstärker das Objektiv. Bei der Blende ist die Logik aber genau andersherum – je kleiner die Blendenzahl, desto lichtstärker das Objektiv.
- Große Blendenöffnung = kleine Blendenzahl (z. B. f/1.4 oder f/1.8): Die Lamellen öffnen sich ganz weit. Es kommt extrem viel Licht in die Kamera.
- Kleine Blendenöffnung = große Blendenzahl (z. B. f/11 oder f/16): Die Lamellen schließen sich bis auf ein winziges Loch. Es kommt nur sehr wenig Licht in die Kamera.
Wie verändert die Blende mein Bild?
Die Blende ist das wichtigste Werkzeug, um den Look deines Fotos dramatisch zu verändern. Sie steuert die sogenannte Tiefenschärfe und damit auch das Bokeh.
1. Offenblende (kleine Blendenzahl wie f/1.4 bis f/2.8)
Wenn du die Blende weit öffnest, wird der Bereich, der im Bild scharf abgebildet wird, extrem schmal. Nur dein Hauptmotiv ist knackscharf, während der Hintergrund in einer wunderschönen, weichen Unschärfe versinkt.
- Portraits: Besonders bei Portraits möchte man das Model hervorheben und den Hintergrund unscharf stellen. Der schmale Fokusbereich separiert dein Motiv von Hinter- und Vordergrund.
- Produktfotografie: Ähnlich wie beim Portrait möchte man durch gezielten Fokus Details hervorheben.
2. Geschlossene Blende (große Blendenzahl wie f/8 bis f/16)
Wenn du die Blende schließt, dehnt sich der Schärfebereich massiv aus. Jetzt wird fast alles von ganz vorne bis ganz hinten im Bild scharf dargestellt. Der perfekte Einsatzzweck: Landschafts- und Architekturfotografie. Hier möchtest du, dass sowohl der Stein im Vordergrund als auch die Berge im Hintergrund messerscharf zu sehen sind.
Was bedeutet „Lichtstärke“ bei einem Objektiv?
Bestimmt hast du schon gehört, dass manche Objektive als besonders „lichtstark“ bezeichnet werden (und oft auch teurer sind). Die Lichtstärke beschreibt die maximale Blendenöffnung, die ein Objektiv technisch erreichen kann.
Ein Objektiv mit einer Lichtstärke von f/1.2 oder f/1.4 ist ein absolutes Profi-Werkzeug. Es erlaubt dir, selbst bei sehr schlechtem Licht ohne Blitz zu fotografieren. Wichtig: Du musst dann aber bedenken, dass der Fokusbereich mit mehr Lichtstärke schmaler wird.
Beugungsunschärfe und der Sonnenstern
Wenn du deine Kamera noch besser verstehen willst, kommen hier zwei optische Phänomene, die entstehen, wenn du die Blende extrem weit schließt:
Warum du Blende 22 meistens vermeiden solltest
Man könnte meinen: „Wenn bei f/1.4 nur ein kleiner Bereich scharf ist, dann stelle ich die Blende auf f/22, um das schärfste Bild zu bekommen!“ Das ist leider ein Trugschluss.
Wird das Licht durch ein extrem winziges Loch gepresst, brechen sich die Lichtwellen an den Kanten der Blendenlamellen. Das führt paradoxerweise dazu, dass das gesamte Bild wieder leicht unscharf und „matschig“ wirkt. Für maximale Schärfe in der Landschaftsfotografie liegt der „Sweet Spot“ der meisten Objektive zwischen f/8 und f/11. Deswegen sind ND-Filter bei sonnigem Wetter so wichtig, damit du in der Mittagssonne nicht in den Bereich der Beugungsunschärfe fotografieren musst.
Geschlossene Blenden haben aber auch einen Vorteil
Du erhältst bei geschlossener Blende sogenannte „Sonnensterne“, wenn du direkt in eine Lichtquelle fotografierst. Vor allem in der Landschaftsfotografie lässt sich dieses Stilmittel sehr schön einbauen. Wie viele Strahlen der Stern hat, hängt übrigens exakt davon ab, wie viele Blendenlamellen dein Objektiv eingebaut hat!