Lexikon Autofokus

Autofokus

Die automatische Schärfeeinstellung des Motivs durch das Zusammenspiel von Kamera und Objektiv – heute ein Standard-Feature in fast jeder modernen Kamera.

Buntes Kettenkarussell in Bewegung vor blauem Himmel – Beispiel für Autofokus bei schnellen Motiven

Was ist Autofokus in der Fotografie?

Der Begriff Autofokus, oft als AF abgekürzt, bezeichnet die automatische Schärfeeinstellung (Fokussierung) des gewünschten Motivs durch das Zusammenspiel der Kamera und eines dafür geeigneten Objektivs. Anstatt dass du als Fotograf den Schärfering am Objektiv von Hand drehen musst, übernimmt die Kameratechnik diese Arbeit in Sekundenbruchteilen. Sensoren in der Kamera messen dabei den Abstand zum Motiv und steuern einen kleinen Motor im Objektiv an, der die Linsen exakt in die richtige Position rückt.

Welche Kamera hatte den ersten Autofokus?

Die erste Kamera mit Autofokus war die Konica C35 AF und wurde im November 1977 auf den Markt gebracht. Es war eine Kamera der Kompaktklasse, also eine Kamera, bei der das Objektiv fest mit dem Gehäuse verbaut ist.

Wenige Jahre später, im Jahr 1981, folgte mit der Pentax ME F die erste Spiegelreflexkamera mit Autofokus, bevor Marken wie Minolta, Canon und Nikon das System in den späten 80er-Jahren zum absoluten Standard für Profis und Amateure machten.

Heutzutage hat fast jede moderne Kamera und jedes Objektiv eine Autofokus-Funktion – mit Ausnahme von Leica-M-Modellen, die weiterhin auf ihr Messsucher-System setzen.

Welche Vorteile gibt es mit Autofokus?

  • Kein manuelles Scharfstellen mehr: Du musst dich nicht mehr mühsam darauf konzentrieren, ob das Auge oder das Objekt im Sucher wirklich scharf ist. Das erledigt die Kamera, sodass du dich voll und ganz auf den Bildausschnitt und den perfekten Moment konzentrieren kannst.
  • Perfekt bei schnellen Bewegungen: Bei schnellen Szenen, Sportarten oder spielenden Kindern ist der Autofokus unverzichtbar. Ein Mensch kann selten den Fokusring manuell so schnell drehen, wie sich ein Motiv bewegt.
  • Präzision bei Abstandsänderungen: Der Autofokus ist dein Retter, wenn sich Objekte auf dich zubewegen oder sich entfernen. Ein klassisches Beispiel aus der Praxis: ein Brautpaar, das während der Trauung durch den Gang zum Altar läuft.

Die wichtigsten Autofokus-Modi für die Praxis

Moderne Kameras bieten verschiedene Arten des Autofokus an. Je nachdem, was du fotografierst, solltest du den passenden Modus wählen:

AF-S – Single-Autofokus / Einzelfokus

In diesem Modus stellt die Kamera das Motiv einmalig scharf, sobald du den Auslöser halb durchdrückst. Die Schärfe bleibt dann auf diesem Punkt gelockt. Das ist ideal für unbewegte Motive wie Landschaften, Architektur, Stillleben oder ruhige Porträts.

AF-C – Continuous-Autofokus / Kontinuierlicher Fokus

Hier führt die Kamera die Schärfe permanent nach, solange du den Auslöser halb gedrückt hältst. Bewegt sich dein Motiv (wie das oben genannte Brautpaar oder ein rennender Hund), wandert der Fokus automatisch mit. Perfekt für Sport-, Naturfotografie oder Hochzeiten.

Wann der Autofokus an seine Grenzen stößt

Obwohl die Technik heute extrem weit fortgeschritten ist, gibt es Situationen, in denen du den Autofokus ausschalten und manuell fokussieren solltest:

  • Bei extremer Dunkelheit: Der Autofokus benötigt Kontraste, um zu erkennen, wo es scharf ist. Wenn es zu dunkel ist, fängt das Objektiv an zu „pumpen“, findet aber keinen Schärfepunkt. Für solche Fälle haben Kameras ein Autofokus-Hilfslicht. Dieses AF-Licht beleuchtet kurz die Szene, damit die Sensoren einen Fokus setzen können.
  • Durch Hindernisse hindurch: Wenn du einen kreativen Look erzeugen willst und durch Äste, Blumen oder ein Gitter hindurchfotografierst, stellt der Autofokus meistens fälschlicherweise auf das Hindernis im Vordergrund scharf, anstatt auf dein eigentliches Motiv dahinter. Allerdings sind die neuen Autofokussysteme so gut, dass die Kamera problemlos Gesichter, Augen oder das gewünschte Objekt erkennt.

Kamera-Beispiele mit besonders gutem Autofokus

Heute besitzen fast alle Kameras einen Autofokus, aber die modernen spiegellosen Systemkameras nutzen künstliche Intelligenz (KI) und Deep Learning, um Augen von Menschen und Tieren oder sogar Fahrzeuge in Echtzeit zu erkennen und bombenfest zu verfolgen. Wenn du auf der Suche nach Kameras mit einem absolut herausragenden und zuverlässigen Autofokus bist, gehören diese Modellreihen zur Speerspitze:

  • Sony Alpha-Serie (z. B. Alpha 7 IV / Alpha 7R V): Sony gilt als Pionier beim Echtzeit-Augen-Autofokus. Die Kameras kleben regelrecht am Auge des Motivs – selbst wenn sich die Person wegdreht oder Haare ins Gesicht fallen.
  • Canon EOS R-Serie (z. B. EOS R6 Mark II / EOS R5 Mark II): Diese Allrounder bieten eine extrem schnelle Motiverkennung und sind besonders bei Hochzeits- und Reportagefotografen für ihren treffsicheren Fokus bei schlechtem Licht beliebt.
  • Nikon Z-Serie (z. B. Nikon Z6 III / Nikon Z8): Nikon hat mit seinen jüngsten Modellen massiv aufgeholt. Das verbaute „3D-Tracking“ erkennt Gesichter, Tiere und Fahrzeuge blitzschnell und lässt sie nicht mehr los.

Autofokus-Technologien im Überblick

1. Phasen-Autofokus (Phase Detection AF / PDAF)

Das ist die schnellste und gängigste Technologie bei Spiegelreflex- und modernen spiegellosen Kameras. Das System teilt das einfallende Licht in zwei separate Lichtbündel auf und misst den Abstand zwischen diesen beiden Bildern. Stimmen sie nicht überein, weiß die Kamera sofort, in welche Richtung und wie weit das Objektiv korrigiert werden muss. Der große Vorteil: Er ist extrem schnell und kann bewegte Objekte (wie Sportler oder Fahrzeuge) perfekt vorausberechnen und verfolgen.

2. Kontrast-Autofokus (Contrast Detection AF)

Diese Technologie wird vor allem bei Smartphones oder älteren Kameras genutzt. Die Kamera analysiert direkt das Bild auf dem Sensor und verschiebt den Fokus so lange, bis die Kanten im Bild den höchsten Kontrast aufweisen – denn ein scharfes Bild hat den maximalen Kontrast. Der Haken: Da die Kamera nicht weiß, ob das Bild vor oder hinter dem Schärfepunkt liegt, muss das Objektiv oft kurz „suchen“ (vor- und zurückfahren). Das macht dieses System spürbar langsamer bei bewegten Motiven, dafür ist es bei unbewegten Objekten extrem präzise.

3. Hybrid-Autofokus

Die perfekte Kombination: Moderne Kameras werfen einfach beide Systeme zusammen. Sie nutzen den schnellen Phasen-Autofokus, um grob und blitzschnell die Richtung anzupeilen, und den Kontrast-Autofokus, um am Ende die absolute Maximalschärfe perfekt einzustellen.

4. Dual Pixel Autofokus (DPAF)

Eine von Canon perfektionierte Weiterentwicklung des Phasen-Autofokus. Hier besteht fast jedes einzelne Pixel auf dem Bildsensor aus zwei separaten Fotodioden. Der Sensor kann dadurch auf der gesamten Fläche gleichzeitig das Bild aufnehmen und permanent die Phase messen. Das sorgt für eine unglaublich flüssige und präzise Schärfenachführung, was besonders bei Videos ein absoluter Gamechanger ist.

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